Beständigkeit und Disziplin

Kreativität kann zu Kunst führen. Kunst wird durch Umsetzung sichtbar. Sichtbare Kunst lebt durch das Mitteilen. Das Mitteilen führt zur Kenntnisnahme. Kenntnisnahme setzt Erwartungen frei. Um Erwartungen wert zuschätzen braucht es Disziplin.
Disziplin fordert die Kreativität und erfüllt die Kunst mit Beständigkeit um die Kenntnisnahme zu füttern.

Vor 4 Jahren konnte ich einen erfolgreichen Grazer Kunstmaler bei der Arbeit begleiten. Ich fragte ihn wie er es geschafft hat über den Grenzen hinaus erfolgreich zu werden. Er legte den Pinsel zur Seite, drehte sich von der bunten Leinwand zu mir und sagte:“ Disziplin!“ Dann wandte er sich wieder den Farben zu und ließ mich in Ruhe nachdenken.
Den ganzen Sommer über war ich jeden Tag bei ihm. Um PUNKT 8 Uhr fing er mit dem Malen an. Punkt 12 Uhr zwang er sich zu einer Pause. Punkt 13 Uhr nahm er wieder den Pinsel in der Hand und um 17 Uhr hörte er auf. Säuberte die Pinsel, ordnete die Farbtuben, warf die Tücher mit denen er die Pinsel zwischendurch säuberte in einem Korb, nahm seine Pfeife und stellte sich rauchend vor seiner Arbeit. Dies ging von Montag bis Freitag so. Durch diese Vorgehensweise erkannte ich die Arbeit die in jedem seiner Bilder zu sehen ist. Ich fragte ihn was er machen würde wenn er merkt das er gerade ein lauf hat und diese Zeitstruktur die er lebt durchbrechen muss um weiter zu arbeiten.
„Ich würde es nutzen und weiter malen. Ich lasse mich aber nicht nur von diesem Gefühl beherrschen, denn dies würde mich in eine Disziplinlosigkeit führen und das wäre schlecht für die Arbeit. Die Regelmäßigkeit an der Arbeit lässt mich beständig, auch heute mit beinahe 70 Jahren, besser werden, sicherer werden und gibt mir das Werkzeug meine Visionen umzusetzen. Gefühle sind gut aber ebenso können sie blockieren. Blockaden sind ein Hindernis um beständig zu sein. Ohne Beständigkeit könnte ich weder arbeiten noch von meiner Arbeit leben. Deshalb bin ich der Meinung dass jeder Künstler Diszipliniert sein muss um aus und durch seine Kreativität leben zu können. Alles andere führt dazu dass viele Künstler einfach aufgeben weil sie kein Erfolg haben und ihr Traum ein Traum bleibt. Nicht weil sie schlechter sind als andere Künstler, nein, weil sie sich nicht disziplinieren!“
Diese Aussage fand ich damals echt hart und konnte mich damit nicht identifizieren. Heute nach dem ich doch einige Künstler und ihre Geschichten kenne, verstehe ich was dieser Herr meint.
Gerade heute, wo jegliche kreative Ader genährt werden kann und jegliche Vision mit den vielen Möglichkeiten umgesetzt werden können, reicht es nicht sich auf die Vergeistigung auszuruhen, auf die Welt zu zeigen und sich in Mitleid zu suhlen weil sie einen nicht sieht.
„Gefühle sind gut aber sie können auch blockieren“. Ja, so ist es.